Was ist der Unterschied zwischen den Grippeviren, die den Menschen infizieren und den Vogelgrippeviren?
Bei den Vogelgrippeviren handelt es sich um eine Tierkrankheit (Geflügel und Wasservögel), die normalerweise nicht auf Menschen überspringt. Sie grassierte erstmals Ende 2003 bei Geflügel in Südostasien, Ende 2005 trat sie auch in der Türkei auf, seit Februar 2006 sind auch erste Fälle in Deutschland aufgetreten. Bei sehr engem Kontakt mit erkrankten Tieren, kann die Vogelgrippe auch auf den Menschen übertragen werden. Die Vogelgrippe zeigt einen sehr schweren Krankheitsverlauf beim Menschen, ist aber von Mensch auf Mensch derzeit nicht übertragbar. Es erkrankt also nur die Person, die sich direkt beim Geflügel angesteckt hat.
Menschengrippeviren werden hingegen von Mensch zu Mensch übertragen – z. B. durch Husten, weshalb man von einer Tröpfcheninfektion spricht, oder auch durch das Händeschütteln. (Deshalb sollte man möglichst auf dieses Begrüßungsritual während der Grippezeit verzichten.) Gekochtes oder gebratenes Geflügelfleisch kann bedenkenlos verzehrt werden, da das Virus hitzeempfindlich ist und bei Temepraturen über 70 Grad Celsius abstirbt.
Wenn man die Struktur der Grippeviren anschaut, kann man Unterschiede auf ihrer Oberfläche erkennen. Man teilt die Influenzaviren, wie sie auch heißen, in drei Untergruppen ein. Diese werden mit A, B oder C bezeichnet. Für den Menschen sind Influenzaviren des A- und B-Typs krankheitsauslösend. Die Grippeviren des Typs B sind unveränderlich, aber der Typ A verändert sich häufig. Ein Grippevirus des Typs A kann man sich als Tischtennisball mit vielen bunten Stecknadelköpfen auf der Oberfläche vorstellen. Diese Stecknadelköpfe heißen in der Fachsprache Antigene. Das Grippevirus besitzt zwei wichtige Antigene, die einen Einfluss darauf haben, ob das Virus Menschen oder Tiere befällt und wie schwerwiegend eine solche Erkrankung ausfällt. Die Antigene heißen Hämagglutinin (=H) und Neuraminidase (=N). Die Verteilung der Antigene verändert sich im Laufe der Zeit.

Die aktuelle Lage
Im Augenblick ist das am häufigsten auftretende Menschengrippevirus Influenza A-Virus H1N1 oder H3N2. Gegen diese Grippeviren bietet die aktuelle Grippeimpfung einen Schutz. Ein Grippeimpfstoff wird jedes Jahr neu zusammengestellt. Dafür werden die Grippeviren genau unter die Lupe genommen, die besonders ansteckenden Typen – für 2005 wie gesagt Influenza-Virus A H1N1 oder H3N2 – isoliert und auf bebrütete Hühnereier gegeben. Nach einiger Zeit wird aus den Eiern, in denen sich das Virus optimal vermehren kann, das Virus herausgelöst und durch ein spezielles Verfahren zerhackt. Die Antigene Hämagglutinin (=H) und Neuraminidase (=N) werden dabei in ganz kleinen Dosen und in abgeschwächter Form als Impfstoff aufbereitet. Dieser Prozess dauert zwischen drei und sechs Monaten. Bekommt man eine solche Impfdosis gespritzt, kann das Immunsystem innerhalb von 14 Tagen bis drei Wochen Antikörper entwickeln. Sollten dann zu einem späteren Zeitpunkt die Grippeviren selbst in den Körper gelangen, erinnert sich das Immunsystem an die Impfung und kann sofort die Viren bekämpfen.
Die Ständige Impfkommission in Deutschland (STIKO) empfiehlt derzeit die Grippeimpfung für folgende Bevölkerungsgruppen:
· ältere Menschen über 60 Jahre
· alle, die durch eine chronische Erkrankung, ein erhöhtes Infektionsrisiko haben
· Personen mit erhöhter Gefährdung, die im medizinischen Bereich arbeiten oder in Einrichtungen mit starkem Publikumsverkehr.
Die Vogelgrippe wird von einem Grippe-Erreger mit folgenden Merkmalen ausgelöst: Influenza-Virus Typ A H5N1. So lange sich an den Antigenen nichts ändert, wird dieser Grippevirus auch weiterhin nur für Vögel gefährlich sein.

Bietet die Grippeimpfung einen Schutz vor der Vogelgrippe?
Klare Antwort: Nein! Denn der aktuelle Impfstoff berücksichtigt nicht komplett die Antigene des Vogelgrippevirus.
Dennoch kann eine Impfung gegen Grippe sinnvoll sein. Deshalb empfehlen die Gesundheitsministerien der Länder, dass sich möglichst viele Menschen gegen Grippe impfen lassen.

Warum kann es sinnvoll sein?
Sollten beide Grippetypen im Menschen zusammentreffen, so könnte sich daraus ein neuer Grippevirus entwickeln. Dies befürchten derzeit Wissenschaftler und warnen deshalb vor einer Pandemie. Von einer Pandemie spricht man, wenn die Bevölkerung eines ganzen Landes oder mehrere Länder von einer Erkrankung betroffen sind.
Solch ein neuer Grippevirustyp setzt sich aus den Eigenschaften der beiden Viren zusammen. Falls die Eigenschaften der Influenza-Virustypen A H1N1 oder H3N2 überwiegen, kann die derzeitige Grippeschutzimpfung die Symptome eventuell abmildern und der Krankheitsverlauf ist nicht so massiv. Überwiegen hingegen die Vogelgrippeviruseigenschaften dann müssen die im Pandemieplan zusammengestellten Maßnahmen und Arzneimittelempfehlungen zum Einsatz kommen.

Woran erkennt man eine Grippe?
Die Erkrankung setzt plötzlich ein. Typisch sind das schnell steigende Fieber und starke Kopf- und Gliederschmerzen. Außerdem fühlen sich die Betroffenen abgeschlagen und entwickeln einen typischen Husten. Bei einer Erkältung setzen die Symptome deutlich langsamer ein und sie werden im Allgemeinen durch einen Schnupfen begleitet.

Was ist bei Reisen in Gebiete mit Vogelgrippe zu beachten?
Das Auswärtige Amt sieht Reisen in betroffene Regionen als unbedenklich an. Der Kontakt mit lebendem oder totem Geflügel sollte allerdings vermieden werden. Insbesondere sollten Reisende auf den Besuch von Vogelmärkten verzichten.
Die Einfuhr von Geflügelprodukten (Fleisch, Eier, Federn) aus Ländern mit Vogelgrippe in die EU ist verboten.

Weitere Informationen finden Sie:
auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de
auf der Homepage des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW: www.mags.nrw.de