Folsäure und Schwangerschaft

Was ist Folsäure und wofür wird sie benötigt?
Folsäure gehört mit den in Lebensmitteln natürlicherweise vorkommenden Folaten zu den wasserlöslichen B-Vitaminen. Folsäure kommt in Lebensmitteln natürlicherweise nicht vor.
Folsäure/Folate spielen bei allen Zellteilungs- und Wachstumsprozessen eine Rolle. Fehlt Folsäure im Körper, äußert sich das durch Blutarmut, Verdauungsstörungen und Veränderungen an den Schleimhäuten. Beim ungeborenen Kind kann es durch fehlerhaften Schluss des Neuralrohres zu einer Störung der Entwicklung des zentralen Nervensystems kommen. Normal erfolgt der Schluss des Neura!rohres bereits in der vierten Schwangerschaftswoche. Zu dieser Zeit wissen Frauen häufig noch nicht, dass sie schwanger sind.

Folat/Folsäure in der Ernährung
Um die empfohlene Folataufnahme zu erreichen, ist eine sorgfältige Lebensmittelauswahl notwendig. Besonders reich an Folaten sind Leber, grüne Gemüse (z.B. Spinat und Broccoli), Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Weizenkeime, Hefe, Eigelb, Vollkorngetreideprodukte, Zitrusfrüchte und -säfte. Viele Frühstücksmüsli oder -flocken sind mit Folsäure angereichert.
Ungünstige Ernährungsgewohnheiten, z.B. einseitige und lang dauernde Schlankheitsdiät, übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen sowie bestimmte Medikamente und Kontrazeptiva senken die Folsäurezufuhr bzw. den Folsäurespiegel im Blut.
Die Schwangeren und Stillenden empfohlene tägliche Folatzufuhr kann über die Ernährung allein schwer erreicht werden. In diesen Fällen muss auf Folsäuresupplemente zurückgegriffen werden.

Empfehlungen für die tägliche Folsäurezufuhr
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen die tägliche Aufnahme von 400 myg Folsäure-Äquivalenten (Summe aus Folsäure und Nahrungsfolaten). Schwangere Frauen haben einen höheren Bedarf und sollten daher täglich 600 myg Folsäure-Aquivalente zu sich nehmen.
Verschieden große Studien haben gezeigt, dass eine zusätzliche Zufuhr von täglich 400 myg Folsäure als Supplement vor und nach der Empfängnis die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten ("offener Rücken", spina bifida) in der Bevölkerung um die Hälfte verringern kann. Daher wird allen Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, empfohlen, zusätzlich 400 myg Folsäure-Tabletten zu nehmen, mindestens vier Wochen vor der Empfängnis und drei Monate danach.
Es gibt Hinweise darauf, dass diese zusätzliche Folsäurezufuhr auch das Risiko vermindert, ein Kind mit anderen Fehlbildungen, insbesondere Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, zu bekommen.
Frauen, die bereits ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt haben oder hatten, haben ein zusätzliches Risiko, verglichen mit der Allgemeinbevölkerung, dass ein folgendes Kind ebenfalls eine derartige Fehlbildung hat. Ihnen sollten prophylaktisch höhere Folsäuredosen, 4 oder 5 mg pro Tag, bei Kinderwunsch verschrieben werden.

Sind Folsäuresupplemente sicher?
Die Erfahrungen aus den Studien mit Folsäuresupplementierung vor und bis zu drei Monate nach der Empfängnis zeigen, dass die Einnahme sicher ist.
Grundsätzlich könnten bei Personen mit unzureichender Versorgung an Vitamin-B12 (z.B. Ernährung ohne tierische Lebensmittel) durch eine Folsäuregabe die durch den Vitamin-B12-Mangel bedingten Blutbildveränderungen behoben werden, während die neurologischen Veränderungen fortschreiten, so dass der Vitamin-B12-Mangel zu spät diagnostiziert wird. Allerdings ist ein VitaminB12-Mangel bei Personen unter 50 Jahren sehr selten.
Die Wirksamkeit von antiepileptischen Medikamenten (Phenobarbital, Phenytoin oder Pyrimidon) kann durch Folsäuresupplemente vermindert werden, so dass gegebenenfalls die Dosis angepasst werden muss.

Fazit: Empfehlungen zur perikonzeptionellen Folsäuresupplementierung:
1. Folat-/folsäurereiche Ernährung (Gemüse, Früchte, Vollkornprodukte).
2. Die normale Ernährung kann den Mehrbedarf an FolaUFolsäure in der Schwangerschaft nicht decken.
3. Frauen, die schwanger werden möchten oder könnten, sollte zusätzlich 0,4 mg Folsäure als Supplement täglich einnehmen (nach Möglichkeit vier Wochen vor der Konzeption bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche) um das Risiko eines Neuralrohrdefektes zu verringern.
4. Frauen, die bereits mit einem Kind schwanger waren, das einen Neuralrohrdefekt hatte, sollten 4 mg (oder 5 mg) Folsäure täglich für den gleichen Zeitraum einnehmen.
5. Folsäuresupplemente können zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verschrieben werden.



Herausgegeben vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)